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SUCHTENTWICKLUNG UND DIE SOZIALEN FOLGEN VON ALKOHOLABHÄNGIGKEIT

 

  • SUCHTENTWICKLUNG:
  • Gebrauch
  • Genuss
  • Missbrauch
  • Ausweichendes Verhalten
  • Abweichendes Verhalten
  • Gewöhnung
  • Abhängigkeit
  • Süchtiges Verhalten/Sucht

    Gebrauch:
    Sinnvolle und hilfreiche Verwendung, nur wenn es wirklich notwendig ist, z.B. Opiate als Schmerzmittel. Alkohol als Medikament?

    Genuss:
    Alkohol ist kein Nahrungsmittel, er dient der Anregung und dem Erreichen angenehmer Gefühlszustände. In Verbindung mit Spielen, Essen, Fernsehen, Sex, Arbeit und Sport - ergibt sich eine kurzfristige Befriedigung.

    Missbrauch:
    Schädliche Verwendungsweise für Körper, Geist und Umwelt. Frage der Häufigkeit, einmaliger Missbrauch hat kaum Folgen, häufiger Missbrauch ist meist Ausdruck von ungelösten Problemen, um sie zu dämpfen oder sie zu vergessen.

    Ausweichendes Verhalten:
  • Tritt dann auf, wenn man seine Probleme (z.B. in Ehe oder Betrieb) nicht direkt löst, sich in Alkohol flüchtet. Jeder kennt das mit Essen, Medikamenten und Alkohol, um Probleme erträglich zu machen, schleppt Probleme mit sich rum, die nicht lösbar sind oder erscheinen. Ausweichendes Verhalten kann da ein legitimer oder auch sinnvoller Mechanismus sein, um innerliche Auszeiten zu haben oder vorläufige Distanz zu erreichen, aber gleichzeitig kann ausweichendes Verhalten sich stabilisieren und dazu dienen, Probleme überhaupt nicht mehr zu lösen. Dann bekommt der Suchtstoff ein hohes Maß an Wichtigkeit und Funktion.

    Abweichendes Verhalten:
    Ist eine Frage der Norm im Gegensatz zum ausweichenden Verhalten, was weder positiv noch negativ ist. - Heroin spritzen = abweichendes Verhalten. Unmäßiges Essen oder Zigaretten rauchen oder Alkoholkonsum = akzeptiert oder zumindest toleriert. Die Norm steht dabei nicht zur Diskussion, nur wer sich auffällig verhält. Beispielsweise gilt oder galt es als abnormal, keinen Alkohol zu trinken. Bei Alkoholkonsum wird oft erst von abweichendem Verhalten gesprochen, wenn Beruf oder Sozialverhalten beeinträchtigt ist.

    Gewöhnung:
    Ständige Wiederholung des Konsums. An sich etwas Gutes, eine Fähigkeit, die dem Menschen hilft, nicht in jeder Situation sich neu entscheiden zu müssen. Es kann aber auch bei aus- und abweichenden Verhalten Gewöhnung entwickelt werden. Dann negativ. Der Bindungsgrad ist bei Gewöhnung höher als bei aus- oder abweichendem Verhalten. Gewöhnung gilt häufig noch als normal und wird nicht bewusst wahrgenommen. Durch Anstrengung ist Änderung der Verhaltensweise möglich, wenngleich nicht leicht.

    Abhängigkeit:
    Psychische und/oder körperliche Gewöhnung steigt. Abhängigkeit bedeutet, ein Zustand krankhafter Interaktion von Person und Substanz. Dies ist keine Frage der Menge. schränkt die Handlungsfähigkeit/Freiheit erheblich ein, ein Prozess mit Eigendynamik beginnt.

    Süchtiges Verhalten/Sucht:
    Endzustand, krankhaft, ausweglos erscheinend, keine eigene Lösungsfindung vor Augen. Gesamte Verhaltensweisen auf das Suchtmittel konzentriert. Verhinderung von Entzugserscheinungen, Vertuschung von Sucht, innerer Zwang.

    SOZIALE FOLGEN VON ALKOHOLMISSBRAUCH
    - Familie
    - Persönlichkeitsveränderung
    - Kinder
    - Ausfallzeiten
    - Folgen
    - Finanzielle Verluste
    - Freundeskreis
    - Arbeit

    Familie:
    Fast 10 % aller bundesdeutschen Familien sind von Alkoholproblemen betroffen. 6 Millionen Einzelschicksale - Ehepartner, Kinder, Verwandte, die die Auswirkungen der Sucht ihrer Angehörigen erleben müssen. Anfangs zunehmende Konfliktunfähigkeit bei den Betroffenen. Sie nehmen die Bedrohlichkeit der Situation nicht wahr, empfinden Kritik als unberechtigte Vorwürfe, böswillige Einschränkung, "man wird sich ja noch mal einen gönnen dürfen".

    Persönlichkeitsveränderungen:
    Im Rausch - Bedrohung für den Angehörigen - gehen diese den Süchtigen aus dem Weg, meiden den Kontakt, um Auseinandersetzungen nicht zu provozieren. Entfremdung, keine positiven Emotionen, anfänglich Abneigung - später bis zum Hass. Die Persönlichkeitsveränderungen bei Abhängigen sind:
    - Unkonzentriertheit
    - Aggressivität
    - Realitätsverlust
    - Unkontrolliertheit
    - Eifersucht
    - Vergesslichkeit
    - Nachlassen der Sexualität
    - Grundhaltung: "Die anderen sind schuld, sie wollen mir etwas Böses".


    Die Kinder:
    ziehen sich zurück, verbringen möglichst viel Freizeit außer Haus, da sie die ewigen Streitereien, evtl. auch Gewalt in der Familie nicht mehr ertragen. Soziale Isolation, Scham gegenüber Freunden für die elterliche Alkoholabhängigkeit, werden von Kameraden aufgezogen: "dich haben deine Eltern wohl im Suff gezeugt". Nachlassen in der Schule - neue Probleme zu Hause. Herausbildung von Schuldgefühlen, da die Kinder sich verantwortlich fühlen für die Sucht der Eltern. Heilungswünsche und Strategien werden entwickelt, verbunden mit kindlichen Allmachtsphantasien bildet sich hier so etwas wie eine Helferrolle heraus, schlägt sich später auch in den Berufswünschen oder in der Partnerschaft nieder.

    Ausfallzeiten:
    Der Partner übernimmt Verantwortung für die Problembewältigung des Alltags. Neben Streit, Gewalt, Betreuung der hilflosen Person kommt die Alleinverantwortung für Haushalt, Kindererziehung und Außenkontakte hinzu. Dies wird gleichzeitig beklagt und für gut befunden, bringt es doch auch einen Gewinn an Einfluss, Macht und Bedeutung. Allerdings bleibt dem Partner keine Zeit für Muße und Entspannung. So wird der Alkoholismus, die Sucht, zum Mittelpunkt des Lebens für den Angehörigen.

    Folgen:
    Seelische Veränderungen, Verbitterung etc. und körperliche Schäden, psychosomatische Erkrankungen, evtl. völliger Zusammenbruch; "ich hätte eigentlich allen Grund zum Trinken", sagen viele Angehörige.

    Finanzielle Verluste:
    Durch den Suchtmittelkonsum, Ausfallzeiten, Arbeitslosigkeit, Verschuldung, im extremen Fall Beschaffungskriminalität. Häufig ist der Angehörige gezwungen, für das Einkommen zu sorgen, mit der Folge für den Abhängigen, dass er sich ein weiteres Mal entthront und als Versager fühlt. Der Teufelskreis beginnt wieder.

    Freundeskreis:
    Menschen, die gerne einen trinken, gelten als aufgeschlossen und gesellig, sind gern gesehene Gäste. Im fortgeschrittenen Stadium: Belustigungen, exzessiver Alkoholkonsum führt zu Enthemmungen und extremen Verhaltensweisen.
    - ewig lamentierende Misanthropen mit Wehklagen über die böse Welt
    - aggressive Provokateure mit Hang zu Handgreiflichkeiten. In Gruppen auf Dauer nicht tolerierbar
    - daraus folgen neue Probleme, Teufelskreis.

    Arbeit:
    Verheimlichungstendenzen, fallen erst spät auf, können lange mit der Solidarität der Arbeitsgruppe rechnen, später folgt Unmut, Forderung nach Versetzung oder Kündigung.

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