|
Definition:
Die lateinische Silbe "Co" bedeutet ein Miteinander bzw. Nebeneinander. Co-Abhängigkeit bezeichnet ein Bündel aus typischen Persönlichkeitsmerkmalen, Verhaltensweisen, Einstellungen und Gefühlen, die im Zusammenleben mit einer suchtmittelabhängigen Person deren Krankheit unterstützt.Oder anders ausgedrückt: Co-abhängig sind Verhaltensweisen von Bezugspersonen des Suchtmittelabhängigen, die geeignet sind, seine süchtige Fehlhaltung zu unterstützen und eine rechtzeitige Behandlung zu verhindern.
- Co-Abhängigkeit ist seit Mitte der 70er Jahre Begriff in der amerikanischen Suchtkrankenhilfe.
- Nicht nur PartnerInnen können sich co-abhängig verhalten, sondern auch andere Personen des Umfeldes eines Betroffenen: Arbeitgeber, Kollegen, Ärzte etc.
Co-Abhängigkeit betrifft vornehmlich Frauen:
Zitate von Angehörigen (Partnerinnen): "Ich bin schon Witwe, nur dass mein Mann noch lebt." "Wenn mein Mann nicht getrunken hätte, wer weiß, ob wir je ein so glückliches Leben geführt hätten. Die Krankheit war unsere Chance."
Vor allem Frauen sind in der Rolle der Co-Abhängigen. Männer haben die Tendenz ihre suchtmittelabhängigen Partnerinnen weit früher zu verlassen.Die weibliche Sozialisation bildet den Hintergrund für die sog. "Erlöserfalle" der Co-Abhängigen: 1. "Wenn ich es nicht tue, wird es nicht getan." 2. "Die Bedürfnisse aller anderen haben Vorrang vor meinen eigenen."
Alkoholabhängigkeit ist eine Familienkrankheit:
Ist ein Elternteil suchtabhängig, dann ist das gesamte Familiensystem davon betroffen, indem kein Familienmitglied sich heraushalten kann und seine Rolle spielt. So verhält sich die Partnerin oft wie eine "Komplizin" und die Kinder spielen Rollen als "Held" bzw. "Heldin", "verlorenes Kind" oder "Clown".Die Familienmitglieder leiden weit häüfiger als andere an psychosomatischen Symptomatiken (Migräne, Gastritis, Magengeschwüre, Asthma, Bluthochdruck, Schlafstörungen etc.).
Familienregeln (am Beispiel Alkohol):
Das Wichtigste im Familienleben ist der Alkohol. Alkohol ist nicht die Ursache der Probleme. Der Abhängige ist nicht verantwortlich, Schuld sind die anderen oder die Umstände. Der Status quo muss erhalten bleiben. Niemand darf über das reden, was in der Familie wirklich los ist. Niemand darf sagen, was er wirklich fühlt.
3 Phasen der Co-Abhängigkeit:
Entschuldigungs- und Beschützerphase: Erklärungen werden für das Fehlverhalten des Abhängigen gefunden. Seine Verantwortlichkeit wird ihm abgenommen, indem bspw. für ihn sogar gelogen wird. Somit werden die Konsequenzen seines Handelns für den Abhängigen nicht spürbar.
Kontrollphase: Die Versuche der ersten Phase sind erfolglos geblieben, deshalb wird jetzt kontrolliert. Flaschen werden gesucht und deren Inhalt vernichtet oder Striche auf Schnapsflaschen gemacht. Der Abhängige sucht sich in diesem 'Spiel' immer raffiniertere Verstecke und bedient sich verfeinerter Tricks, um die Kontrollversuche zu unterlaufen. Die Co-Abhängige versucht ihr Gefühl, versagt zu haben, durch eine Verstärkung der Kontrolle zu kompensieren und der Abhängige steigert oft seinen Alkoholkonsum, um das Gefühl seiner verstärkten Unselbständigkeit abzuwehren.
Anklagephase: Die wachsende Enttäuschung über die misslungenen Versuche, eine 'Rettung' des Abhängigen zu erreichen, werden in Vorwürfen und Anklagen geäussert. Der Abhängige ist nun schuld an allem, was schief läuft.
- Die Dynamik gleicht einem Kreislauf: Streit - Versöhnung - Versprechen - Enttäuschung - Verzweiflung.
Wege aus dem co-abhängigen Verhalten:
Kapitulieren und die Versuche einstellen, den Abhängigen 'retten' oder verändern zu wollen. Lernen, sich wieder selber zu spüren und die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen. Verantwortung für das eigene Leben übernehmen.
Arbeitssucht
Unter Arbeitssucht ist nicht jede übermäßige Arbeit zu verstehen, sondern ein Verhalten, bei dem Arbeit als Mittel der Flucht vor Konflikten benutzt wird. Im Gegensatz zu anderen Süchtigen haben "Workaholics" ein hohes Sozialprestige, da ihnen das Image des Aktiven und Lebenstüchtigen anhaftet. Dass die Arbeit notwendig ist, um nicht mit verdrängten Konflikten, z.B. in Partnerschaft oder Familie konfrontiert zu werden, wird sowohl Betroffenen als auch dem Umfeld in der Regel erst spät deutlich. Die meisten Arbeitssüchtigen handeln dabei nicht aus einem Lustgefühl, sondern einem inneren Zwang heraus. Terminhetze und Versagensängste sind häufige Begleiterscheinungen. Folgeerscheinungen langfristiger Arbeitssucht sind Erschöpfungszustände, Konzentrationsstörungen, depressive Verstimmungen und Ängste. Auf körperlicher Ebene sind Kopfschmerzen, Magenbeschwerden und Herz-Kreislaufstörungen typisch. Der gefährlichste Aspekt der Arbeitssucht ist das langfristige Nicht-Erkennen der eigenen Problematik und das Übergehen von Krankheitssymptomen. Hierdurch wird u.U. ein totaler psycho-physischer Zusammenbruch provoziert.
Essstörungen
Der Bereich der Essstörungen unterteilt sich in die Esssucht (Adipositas), die Ess-Brech-Sucht (Bulimie) sowie die Magersucht (Anorexie). Bei der Adipositas kommt es durch fehlendes Sättigungsgefühl zum Verlust der Kontrolle im Umgang mit Nahrungsmitteln. Folge des übermäßigen Essens sind erhöhtes Körpergewicht und Fettleibigkeit. Rein organische Ursachen lassen sich nur bei 1 % aller "Fettsüchtigen" finden. Esssüchtige leiden in der Regel unter starken Scham- und Schuldgefühlen. Bei der Bulimie wird direkt nach dem Essen die zuvor aufgenommene Nahrung wieder erbrochen. Es kommt größtenteils heimlich zu regelrechten "Fressorgien" infolge Heißhungers. Durch das sofortige Erbrechen sind Betroffene - zu 90 % Mädchen bzw. Frauen - aber nicht dick, da Nährstoffe gar nicht erst in wesentlicher Menge vom Körper aufgenommen werden. Im Hintergrund der Ess-Brecht-Sucht ist häufig Angst vor Kritik und Kontakt, geringes Durchsetzungsvermögen und niedriges Selbstwertgefühl zu finden. Das Verhältnis zum eigenen Körper ist gestört. Folgeerscheinungen sind auf psychischer Ebene Konzentrationsmangel, Depression, Isolation, Negativismus und Gefühlsverarmung. Auf körperlicher Ebene kann es zu frühzeitigem Zerfall der Zähne, chronischer Wundheit von Rachen und Speiseröhre, Nieren- und Leberschäden, Schilddrüsenschwellungen sowie im Extremfall zu Herzrhythmusstörungen und gerissenen Magenwänden kommen. Anorexie tritt in der Hauptsache bei Mädchen zwischen der Pubertät und etwa dem 25. Lebensjahr auf. Bei der Magersucht wird Nahrungsaufnahme mehr oder weniger total verweigert. Magersüchtige wehren sich stark gegen jeden Reifungsprozess und erleben ihren Körper - obwohl ausgezehrt - als fett. Die Pubertätsmagersucht hat unbewusst häufig den Versuch zur Ursache, die Entwicklung der Geschlechtsreife aufzuhalten; meist bleibt auch die Menstruation aus. Bei ca. 30 % der Betroffenen entwickelt sich aus der Pubertätsmagersucht eine chronische Magersucht, die lebenslang andauern kann. Bei 5 bis 10 % der Betroffenen kommt es durch Verweigerung der Nahrungsaufnahme und Unterernährung zum Tod. Bei allen Formen von Essstörungen ist Medikamentenmissbrauch häufig zu beobachten (Abführmittel, Appetitzügler, Psychopharmaka), wodurch Folgeprobleme und -Schädigungen auftreten können.Hast Du Probleme mit Deinem Essverhalten?
Denkst Du, dass Du zu dick bist, obwohl Dir Freunde etwas anderes sagen? Verletzen Dich Sprüche oder Bemerkungen über Deine Figur? Kreisen Deine Gedanken oft um das Essen? Zählst Du ständig die Kalorien von Lebensmitteln? Machst Du Diäten? Erlebst Du manchmal Essattacken, denen Du Dich ausgeliefert fühlst? Glaubst Du, nur wenn Du abnimmst, werden Dich andere Menschen wirklich mögen?Solche oder ähnliche Gedanken können sehr belastend sein. Damit musst Du nicht alleine bleiben! Du kannst Dich an uns - Guttempler-Jugend-Zentrum - wenden. Wir bieten kostenlose und vertrauliche Beratungen an, denn Auswege lassen sich oft gemeinsam leichter finden.
Oder Du schickst uns eine e-mail: guttempler.jugendzentrum@kielnet.net Auch Eltern und Freunde können sich bei uns beraten lassen.
Spielsucht
Die Masse der von Spielsucht betroffenen Menschen spielt nicht am Roulettetisch, sondern in Automatenspielhallen an Geldspielautomaten mit Gewinnmöglichkeit und Risikotasten. Die Spielsucht zeichnet sich dadurch aus, dass Betroffene die Kontrolle über das Ausmaß des von ihnen betriebenen Glücksspiels absolut verlieren und das Spielen, "die Jagd nach dem Gewinn", zum Lebensmittelpunkt wird. Dabei ist erwiesen, dass jeder, der länger spielt, von gelegentlichen Glückssträhnen abgesehen, verliert. Große finanzielle Aufwendungen sind die zwingende Folge. Da die legalen Einkommensmöglichkeiten vieler Spieler hierdurch überschritten werden, sind massive Verschuldung und der Schritt in die Kriminalität häufig nicht weit, auch wenn es sich meist nicht um Kapitalverbrechen, sondern "nur" Beschaffungskriminalität wie Diebstahl, Scheckbetrug oder Hehlerei handelt. Die Spielsucht führt u.U. eine gravierende Vernachlässigung vieler körperlicher und seelischer Bedürfnisse mit sich. Nach wissenschaftlichen Untersuchungen in den USA kann pathologisches Spielen Herz- und Kreislaufbeschwerden, Hautkrankheiten, Magengeschwüre, Zahnverfall, Unterernährung oder Fettleibigkeit zur Folge haben; insgesamt ist die Lebenserwartung chronischer Spieler erheblich verringert. Psychische Abhängigkeit mit Entzugssymptomen wie Händezittern, Schweißausbrüchen und Nervosität.
|