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Ausführliche Information

Naturdrogen: So alt wie die Menschheit
Die "Hexen- und Zauberdrogen"
Zu den Naturdrogen zählen viele Substanzen
Die Gefahren von Naturdrogen
Wer konsumiert Naturdrogen?
Strafrechtliche Konsequenzen
Ausblick: Nach den Gründen des Konsums fragen
 

„Naturdrogen” so alt wie die Menschheit
Mit den Begriffen „Naturdrogen“, „Biodrogen“ und „biogenen Drogen“ ist der Konsum einer in der Natur vorkommenden, unbearbeiteten Substanz gemeint, die eine psychoaktive Wirkung hat, also Stimmungen, Gefühle und das Gehirn beeinflußt. „Biodrogen“ sind wohl so alt wie die Menschheit. Schon die alten Ägypter hielten die Wirkung von Bilsenkraut fest, der griechische Arzt Theophrast (ca. 370 - 328 v. Chr.) beschreibt die Wirkung von Alraune und in alten aztekischen Tempeln fanden sich Wandzeichnungen von psychoaktiven Pilzen. In verschiedenen Kulturen wurde die Kräuterheilkunde weiterentwickelt und institutionalisiert. So besaß beispielsweise jedes Kloster seine eigenen Kräutergärten und Heilkundigen, in den Klostergärten wurden hauptsächlich Heilpflanzen angebaut. Ganz anders sah es in den sogenannten Hexengärten aus. Hier fanden sich Pflanzen und Kräuter, vor denen die Heilkundigen alter Zeiten übereinstimmend warnten.

Die "Hexen und Zauberdrogen"
Eine herausragende Rolle bei den sogenannten „Hexen- und Zauberdrogen“ spielen die Nachtschattengewächse, zu denen Kartoffel, Paprika, Tomate aber auch Bilsenkraut, Stechapfel, und Tollkirsche gehören. Die drei letzten enthalten Alkaloide, die halluzinogen wirken. Diese Pflanzen wurden während der Hexensabbate geschluckt oder als Hexensalben in die Haut eingerieben. Einige Wissenschaftler behaupteten deshalb, daß es sich bei Hexenflügen, Verwandlungen oder ähnlichem um Halluzinationen während des Drogenrausches handelt.Das Wissen um die Wirkung psychoaktiver Pflanzen wurde über die Jahre bewahrt. Besonders in den siebziger Jahren erforschte man den Einsatz von Halluzinogenen bei der Behandlung psychisch Kranker. Heute ist der Einsatz dieser Substanzen durch internationale Abkommen weltweit unterbunden, eine Ausnahme bildet die Schweiz. Substanzen wie Atropin und Scopolamin (enthalten in Nachtschattengewächsen) werden aber noch heute in der Medizin verwendet.
In den vergangenen Jahren hat das Interesse an heimischen psychoaktiven Pflanzen wieder zugenommen. Dies liegt zum einen an der Technobewegung, die großes Interesse an Halluzinogenen, Trance- und Ekstaseerfahrungen hat, zum anderen ander mittlerweile fest etablierten New-Age-Bewegung und ihrem Interesse an fremden Kulturen und deren Drogengebrauch zu rituellen und spirituellen Zwecken. Der bekannteste Autor ist wohl der verstorbene Antrophologe Carlos Castaneda. Daneben gibt es mittlerweile in jeder Bücherei eine New-Age-Abteilung mit unzähligen Erfahrungsberichten über fremde Kulturen und deren Drogengebrauch. 

Zu den "Naturdrogen" zählen viele Substanzen
Es gibt unzählige Pflanzen, die eine mehr oder weniger starke psychoaktive Wirkung auf den Menschen ausüben, zum Beispiel Goldmohn, Hopfen, Mate, Wermut, Fliegenpilz, Stechapfel, Brechnuß, Schlangenwurz, Spitzkegliger Kahlkopf, Trunkelbeere, Steppenraute, Glockendüngerling, Schlafmohn, Trichterwinde, Wunderblume, Peyote, Passionsblume, Alraune, Iboga, Prunkwinke, Datura, um nur einige zu nennen. Nicht alle aufgezählten sind in Deutschland in freier Natur zu finden, viele können aber problemlos importiert werden oder lassen sich mit ein bißchen Aufwand aus importierten Samen und Sporen aufziehen. 

Die Gefahren von "Naturdrogen"
Weil die „Naturdrogen“ aus der Natur und nicht aus Anzucht stammen, ist deren Wirkung schwer abzuschätzen. Vorweg sei gesagt: Wie bei jedem Drogenkonsum  haben „Set“ und „Setting“ auch bei den „Biodrogen“ großen Einfluß auf die Wirkung, es kommt also auf die Umgebung an und auf die eigene Konstitution und Haltung. Wie stark die psychoaktiven Substanzen enthalten sind, hängt ab vom Standort der Pflanze, den Witterungsbedingungen während des Wachstums und der Jahreszeit der Ernte. Weder die in den "Naturdrogen" vorkommenden psychoaktiven Substanzen Meskalin, Psilocybin, Atropin, Scopolamin, Hyosciamin, Muscarin noch Ibotensäure machen körperlich abhängig. Über die psychischen Folgen, wenn jemand dauerhaften solche Drogen nimmt, ist aber wenig bekannt. Da es sich hierbei um teilweise sehr starke Halluzinogene handelt, besteht die Gefahr, daß labile Personen mit den unter Drogeneinfluß gemachten  Erfahrungen nicht zurechtkommen und psychische Störungen entwickeln, oder schon vorhandene Störungen durch den Konsum erst zu Tage treten.

Wer konsumiert Naturdrogen?
„Naturdrogen“ werden von den unterschiedlichsten Personen aus den verschiedensten Gründen genommen. Das können Jugendliche sein, die mit Drogen experimentieren wollen und den Kontakt zur Drogenszene meiden. Andere nehmen „Naturdrogen“ aus dem Irrglauben heraus, daß alles was aus der Natur kommt auch gut und unschädlich ist. In der „harten“ Drogenszene gibt es Leute, die alles nehmen, sei es aus Interesse oder aus Mangel an anderen Drogen. Wiederum andere setzen sich sehr bewußt mit den Drogen, ihrer Geschichte und Wirkung auseinander. Sie haben reges Interesse an spirituellen und bewußtseinsverändernden Erfahrungen und erhoffen sich einen erweiterten Bewußtseins- und Erfahrungshorizont. Sie bereiten sich alleine oder mit anderen auf den Drogenkonsum vor und sorgen für eine entspannte und sichere Atmosphäre während des Konsums. Aber auch hier lauern Gefahren. Benutzen doch einige das Wissen um den rituellen Gebrauch von Drogen als ideologisches Deckmäntelchen zum unkontrollierten Konsum. Die Kombination von Drogen und zum Beispiel schamanistischen und okkultistischen Techniken kann bei psychisch labilen Personen zu schweren psychischen Krisen und Identitätsstörungen führen. 

Strafrechtliche Konsequenzen
Viele Konsumenten von „Naturdrogen“ sind der Ansicht, daß der Besitz dieser Drogen keinerlei rechtliche Konsequenzen nach sich zieht. Dem ist nicht so. Je nach Pflanze können die Konsumenten nach dem BtmG (Betäubungsmittelgesetz) beziehungsweise nach dem AMG
(Arzeineimittelgesetz) belangt werden. So gehören Psilocybin und Meskalin zu den in der Anlage I des BtmG aufgeführten „Stoffen und Zubereitungen“ und sind somit „nicht  verkehrsfähige“ Betäubungsmittel. Das heißt, sie dürfen weder gehandelt, vertrieben noch verschrieben werden. Der Stoffbegriff des BtmG ist ziemlich weitgehend und schließt sowohl die „Pflanze, ein Pflanzenteil oder ein Pflanzenbestandteil in bearbeitetem oder unbearbeitetem Zustand“ ein (§ 2 BtmG). Ebenso kann „das Gewinnen, Anfertigen, Zubereiten“ etc. strafbar sein.
Strafrechtlich relevant wird der Besitz dieser Drogen dann, wenn die „mißbräuchliche Verwendung“ nachgewiesen werden kann oder wenn aufgrund der Umstände eine „mißbräuchliche Verwendung“ klar erkennbar ist. Unter „mißbräuchlicher Verwendung“ versteht man vor allem den Konsum dieser Drogen, um einen Rausch zu erzielen. Atropin, Scopolamin und Hyosciamin hingegen sind keine Betäubungsmittel, unterliegen aber dem AMG. Verstöße gegen des AMG werden in der Regel mit Bußgeldern geahndet. Strafrechtliche Konsequenzen sind hier nur in besonders schweren Fällen zu erwarten.

Ausblick: Nach den Gründen fragen
Mittlerweile gibt es viele Läden, die „Naturdrogen“ verkaufen. Über Prospekte kann man sich diese auch nach Hause ordern. Der Konsum von „Naturdrogen“ ist nicht mehr von der Jahreszeit abhängig, sondern jederzeit möglich. Die Gefahr eines regelmäßigen, mißbräuchlichen Konsums nimmt somit zu. In dem Sortiment finden sich so harmlose Pflanzen wie Katzenminze und Hopfen, aber auch Stechapfel- , Tollkirschsamen und getrocknete Teile dieser Pflanzen. Meiner Ansicht nach macht es wenig Sinn, daß die Drogenpolitik/-hilfe dieser Form von Drogenkonsum besonders begegnet. Wir werden der Entwicklung der Drogen beziehungsweise der Wiederentdeckung alter Drogen immer hinterherlaufen. Wichtiger scheint mir, sich mit den Gründen des Drogengebrauchs zu beschäftigen. Es wurden schon immer Drogen benutzt, um das Bewußtsein zu verändern, in ekstatische Zustände zu kommen oder spirituelle Erfahrungen zu machen. Dies scheint ein grundlegendes menschliches Bedürfnis zu sein. In unserer Gesellschaft werden solche Erfahrungen aber verhindert, beziehungsweise unterdrückt. Eine Untersuchung, inwieweit die Integration von Spiritualität, Ekstase und Bewußtseinsveränderung/-erweiterung Einfluß auf den Drogenkonsum hat, scheint mir ein interessantes und lohnendes Unterfangen.

Literatur und Links zum Thema Naturdrogen

 

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